Maiermania, Rücktritte und Übertritte
Zur Zeit gehen die Wogen im österreichischen (Herren-)Team sehr hoch und auch die Medien berichten sehr ausführlich darüber. Von der ‘Maier-Lobby’ ist die Rede, davon, dass Athleten ihre Karriere beenden und vor allem auch davon, dass österreichische Athleten für andere Nationen, im speziellen für Deutschland fahren wollen.
Gedränge um die Startplätze
Es ist WM und wie in jedem Jahr besonders in Österreich wieder viel Glück dabei, einen Startplatz zu bekommen. Es dürfen nur Vier starten, ganz egal wie viele einer Nation nun wirklich unter den Top15 (Top30) sind. Diese Regelung führt bei 10-15 Top30 Athleten immer zu Problemen. Kilian Albrecht ist als 12. der Weltrangliste wohl der einzige der Top30, der nicht starten darf, er ist in Österreich nur Nummer 5.
Ein ‘Nein’ bedeutet mehr
Schließlich ist ein Nein zur WM nicht nur ein Nein zu einem Rennen. Eine WM nicht fahren zu dürfen, heißt keine Möglichkeit zu bekommen, seinen Traum zu verwirklichen, für den man sein ganzes Leben investiert – und das tun diese Athleten.
Maiermania
Die Wogen so richtig hochgehen lassen hat aber vor allem eine Entscheidung, die ohne Qualifikation entstanden ist. Hermann Maier wurde gesetzt. Gerade mal ein paar Rennen gefahren, Kitzbühel gewonnen, Silber im Super-G, so wurde er ohne interne Qualifikation anderen vorgezogen. In Österreich ist es im Moment doch ein wenig schwierig diese Situation objektiv zu beurteilen. Maier hier, Maier da – der Vorwurf einer Lobby, wie es manche Athleten bezeichnen, sicher nicht nur aus der Luft gegriffen. Es wird schwierig eine so außergewöhnliche Leistung wie sie Hermann Maier vollbracht hat (Hermann ich gratuliere dir dazu, das war eine wirklich grandiose Leistung!), neutral zu beurteilen, wenn schon von seinem Start wesentlich mehr berichtet wird als von dem Sieg eines anderen ÖSV-Athleten, wenn während des Damenabfahrtstraining, Hermann Maier bei der Besichtgung gezeigt wird (die anderen waren wohl auch besichtigen?) und die anderen nicht, wenn im Sommer von Hermanns ersten Schritten mehr gezeigt wird als vom Training aller anderen, und diese Liste wäre noch länger.
Das Problem Nationenwechsel
Ach, da war ja noch die Sache mit dem Start für andere Nationen. Ein Schritt, der auch nicht zum ersten Mal durchgeführt werden würde, oder hat man ganz vergessen, dass der Luxemburger Marc Giradelli eigentlich auch Österreicher war? Mehr in Erinnerung wäre da wohl noch der mißlunge Versuch von Elfi Eder mit ihrem Wechsel in die Karibik. Diese Entscheidung geht nicht so einfach wie eine Firma zu wechseln. Man braucht als ersten Schritt eine Freigabe des ÖSV (oder man nimmt eine Sperre von 1 Jahr in Kauf) als zweiten Schritt eine Staatsbürgerschaft des Landes, für das man fahren will, naja und drittens eine neue FIS-Nummer die wiederum zur Folge hat, dass man alle seine bisherigen Punkte verliert und bei Null beginnen muss.
Steiniger Weg
Es gibt wohl kaum einen Österreicher (oder auch Österreicherin) der noch nie mit dem Gedanken gespielt hat die Nation zu wechseln, doch der Schritt ist sehr, sehr schwierig und meistens bedeutet das Nein des ÖSV (besonders dann im Frühjahr bei der Kadererstellung) auch das Nein zu seinem Beruf. Oftmals bleibt nichts anderes überig als ein “Auf Nimmerwiedersehen” dem Skirennsport zu sagen.


